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Bitterstoffe – die kleinen Verdauungshelfer


„Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund“

Bitter ist ein Geschmack, den wir weniger mögen als salzig oder süß. Deswegen sind viele Pflanzen mittlerweile so gezüchtet worden, dass sie weniger herb schmecken. Dabei haben diese sekundären Pflanzenstoffe, die für den bitteren Geschmack zuständig sind, wichtige Funktionen.

Den Pflanzen dienen sie als Fraßschutz gegenüber Tieren und Schädlingen. Die Tiere mögen den bitteren Geschmack nicht besonders und in höherem Maße sind diese sekundären Pflanzenstoffe giftig für die Tiere. Auch wir Menschen essen automatisch nicht viel von bitteren Lebensmitteln. Darauf verzichten sollten wir allerdings nicht.

Denn Bitterstoffe :

1.regen die Verdauung an!

Vor allem wird die Magensaftproduktion angekurbelt! Doch auch die Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse bilden vermehrt ihre Verdauungssäfte, wenn Bitterstoffe gegessen werden. Nicht nur Proteine, auch Fette und Kohlenhydrate werden so leichter verdaut und das Essen liegt nicht so schwer im Magen. Übelkeit und Völlegefühl wird vorgebeugt und Blähungen vermieden.

Nebeneffekt einer gut funktionierenden Verdauung: bessere Nährstoffaufnahme, gesünderes Immunsystem, leichtere Gewichtsabnahme, reinere Haut und so weiter.

Tipp: Essen Sie zum Beispiel vor dem Hauptgang einen Endiviensalat. Oder eine Grapefruit.

Statt dem Kräuterschnaps nach dem Essen hilft ein Kräutertee aus Bitterkräutern (siehe unten) oder eine spezielle Bittertinktur aus der Apotheke bei der Verdauung.

2. machen Säureblocker überflüssig!

Säureblocker unterdrücken Symptome wie Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Reflux. Wer die Ursachen beheben möchte, kann mit Bitterstoffen die Säureproduktion regulieren. Gleichzeitig sollte auf Fast-Food verzichtet werden und die Ernährung gesund und vitalstoffreich gestaltet werden.

Tipp: Wer eine schnelle Hilfe bei Sodbrennen sucht: Heilerde. Es gibt sie in Pulver- oder Kapselform. Sie bindet die Säure.

3. helfen dem Magen gegen Viren, Bakterien und Umweltgiften!

Die Magensäure hat neben der Verdauung auch die wichtige Funktion, die mit der Nahrung eintreffenden Keime und Krankheitserreger zu eliminieren. Durch Bitterstoffe wird der Magen angeregt, alle Verdauungssäfte einschliesslich Magensäure zu produzieren.

Tipp: Kresse aufs Brot streuen, das Essen mit Kurkuma würzen, beim Suppe kochen Ingwer verwenden sind kleine aber feine Möglichkeiten , sich langsam an Bitterstoffe zu gewöhnen.

4. können den Heißhunger auf Süßes reduzieren!

Bitterstoffe senken Ihr Verlangen nach Zucker. Da unsere Geschmäcker heutzutage zu einem großen Teil auf süßes Essen getrimmt sind, braucht es Bitterstoffe um ein gesundes Gleichgewicht zu erhalten.

Tipp: Wenn Sie das nächste Mal Gelüste nach etwas Süßem haben, greifen Sie doch statt zur Packung Gummibärchen oder Schokolade lieber zu ein paar Wildkräutern. Sie können diese auch in einen Smoothie mixen. Oder, wie es bei den Indern üblich ist, einfach ein paar Fenchelsamen kauen.

5. unterstützen die Aufnahme von Vitamin B12!

Im Magen wird der sogenannte Intrinsic Factor gebildet. Dieser ermöglicht die Aufnahme von Vitamin B12. Einem sehr wichtigen B-Vitamin, bei dessem Mangel wir Symptome wie Erschöpfung und Müdigkeit, Muskelschwäche, Nervenschäden und Blutarmut bekommen.

Unterstützen wir den Magen mit Bitterstoffen, unterstützen wir auch die Produktion des Intrinsic Factors in der Magenschleimhaut. Bitte beachten Sie, dass Vitamin B12 fast ausschliesslich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist und Veganer diesen Vitalstoff über Nahrungsergänzung zuführen sollten.

Rezepttipp: winterlicher Orangen-Radicchio-Salat

Worin sind Bitterstoffe enthalten?

Wildpflanzen und Kräuter:  

  • Löwenzahn, Schafgarbe, Wegwarte, Pfefferminze, Kresse
  • Wildkräutersalat gibt es oft fertig zusammengestellt im Markt zu kaufen

Gewürze:

  • Kardamom, Kümmel, Koriander, Fenchel, Anis
  • Kurkuma, Gewürznelken, Zimt, Ingwer, Wacholderbeeren

Salate, Gemüse und Obst:

  • Friseesalat, Endiviensalat, Chicorée, Radicchio, Rucola
  • Artischocken
  • Grapefruit
  • Rosenkohl

Kräuterbitter: Ein qualitativ hochwertiger Kräuterbitter, den Sie in der Apotheke oder dem Reformhaus sowie in manchen Drogerien kaufen können, beinhaltet verschiedene bitterstoffhaltige Kräuter und Gewürze. Das sind zum Beispiel: Wermut, Engelwurz, Pomeranze, Kalmus, Kardamom, Kümmel, Gewürznelken, Zimt, Koriander, Fenchel, Galgant, Gelber Enzian, Lavendel, Majoran, Schafgarbe, Löwenzahn und Ingwer.

Anwendung: Kräuterbitter, Kräutertinkturen oder Kräuteressenzen nimmt man vor und/oder nach dem Essen ein.

  • Vor dem Essen aktivieren diese die Verdauungsenzyme und regen den Speichelfluss an, sodass dieser die Nahrung besser zersetzen kann.
  • Kräuterbitter nach dem Essen wirken einem Völlegefühl entgegen. Ebenfalls sorgen Sie auch nach dem Essen für eine bessere und effizientere Verdauung.

Wem bitter nicht schmeckt, der hat (es) oft bitter nötig. Wer gern und viel Süßes ißt, hat noch mehr Probleme mit dem bitteren Geschmack. Und gleichzeitig ist sein Magen besonders dankbar für die unterstützende Verdauungskraft von Bitterstoffen.

Bitter heißt im Lateinischen übrigens „amare“. Das erinnert uns an Amaretto, der ursprüngliche mit Bittermandelöl oder bitteren Aprikosenkernen aromatisiert wurde. Oder an das italienische Wort für Liebe. „Liebe geht durch den Magen“. Wenn Sie Ihrem Magen etwas Gutes tun, essen Sie öfter Bitteres.